Der Tragschrauber - halb Hubschrauber, halb Flächenflugzeug
von Walter Schmidt
Von den meisten unbemerkt hat die UL – Szene Zuwachs bekommen, aber der Neue will nicht so richtig wachsen. Was aus dem Kleinen werden soll darüber gibt es schon konkrete Vorstellungen, aber über die Babynahrung, - damit er wächst und gedeiht, ist die Rezeptur noch nicht verabschiedet.
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Der Tragschrauber (Gyrocopter) besitzt oberhalb des Fahrwerks einen kardanisch aufgehängten Rotor. Der Rotor dreht sich um eine senkrecht stehende Achse (Hochachse). Durch eine auskuppelbare flexible Wellenverbindung wird der Rotor auf die zum Start erforderliche Rotordrehzahl gebracht. Sobald die erforderliche Rotordrehzahl erreicht ist, wird diese Verbindung ausgekuppelt und die Motorleistung wirkt ausschließlich auf die rückwärtig platzierte Luftschraube mit waagerechter Drehachse gegeben. Der Tragschrauber wird horizontal beschleunigt, ab diesem Zeitpunkt wird der Rotor nur vom anströmenden Fahrtwind in Umdrehung gehalten. Dieser Betriebszustand wird mit Autorotation bezeichnet. Der frei im Luftstrom umlaufende Rotor ersetzt einen festen Tragflügel, hat gegenüber diesem jedoch den Vorteil, dass er auch bei geringer Fluggeschwindigkeit infolge der Eigendrehung Auftrieb erzeugt.
Warum fliegen Tragschrauber?
Beachten Sie im obigen Bild den schräg gegen den Fahrtwind geneigten
Rotor.
Zum Vergleich die Kräfte, die an einem aerodynamischen Profil
wirken:
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hellblau = Widerstandsvektor rot = Auftriebsvektor grün = Resultierende dunkelblau = anströmenden Luft |
Die anströmende Luft (dunkelblau) erzeugt einen Widerstandsvektor (hellblau) in Anströmrichtung und einen Auftriebsvektor (rot), der per Definition senkrecht auf der Anströmrichtung steht. Auftriebs- und Widerstandsvektor spannen ein Parallelogramm auf und bilden den resultierenden Vektor der Gesamtkraft (grün), die das Profil bei der Anströmung erzeugt. Bei Flugzeugen mit Motor wirkt im Horizontalflug der Propellerschub entgegen dem "bremsenden" Widerstandsvektor.
Wird der Anstellwinkel des Profils jetzt erhöht, ergibt sich folgendes Bild:
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hellblau = Widerstandsvektor rot = Auftriebsvektor grün = Resultierende dunkelblau = anströmenden Luft |
Das Parallelogramm ist also gleich geblieben, lediglich die Beträge
der Kräfte haben sich geändert. Der Widerstandbetrag ist
gewachsen und der Auftriebsbetrag ebenso. Mehr Widerstand bedeutet
mehr erforderliche Motorleistung, mehr Auftrieb bedeutet mehr Steigen
(oder weniger Sinken).
Stellen wir uns vor, die Tragflächen seien nicht fest am Flugzeug
"angeschraubt", sondern über einen Rotorkopf drehbar
gelagert, ergibt sich folgendes Bild:
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Mittlerer Rotorgeschwindigkeit: 150 m/s Anströmende Luft bei 140 km/h: 41 m/s Anströmende Luft bei 20 Km/h: 5,5 m/s |
Der Auftriebsvektor versucht also über seine Komponente in der
Rotorebene das Profil nach oben zu ziehen = das Rotorblatt nach vorne
zu ziehen. Der Rotor wird beschleunigt! Dem entgegen wirkt die Komponente
des Widerstandsvektors in der Rotorebene. Sind beide Komponenten gleich
groß, bleibt die Rotordrehzahl konstant.
Weil Widerstand und Auftrieb untrennbar miteinander gekoppelt sind,
bleibt die Rotordrehzahl während des Fluges weitgehend konstant:
Reduziert sich der Anstellwinkel, sinkt der Widerstand zusammen mit
dem Auftrieb und umgekehrt. Es herrscht Kräftegleichgewicht.
Die Grafik gilt für ein voreilendes Rotorblatt, ein voreilendes
Rotorblatt bekommt mehr Fahrtwind, ein zurückeilendes weniger.
Die Rotordrehzahl muss also so hoch sein, dass auch beim zurückeilenden
Rotorblatt die Anströmgeschwindigkeit noch so hoch ist, so dass
das Blatt keinen Strömungsabriss erleidet, auch nicht beim Startlauf,
wo es durch die Fahrtzunahme des Gesamtsystems noch weniger "Wind
auf die Profilnase" bekommt. Deshalb ist es zwingend erforderlich,
den Rotor vor dem Start über eine kritische Mindestdrehzahl zu
beschleunigen (Vorrotation, von Hand oder per "Prerotator").
Andernfalls ist kein Start möglich. Während des Startlaufs
beschleunigt der Rotor mit zunehmendem Fahrtwind solange bis der Auftrieb
ausreicht, den Tragschrauber in die Luft zu heben, genau wie bei einem
Flächenflugzeug.
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Autorotation wenn der Gyrocopter vorwärts fliegt, der Rotorkopf ist positiv angestellt, (nach hinten) Die äußere Region des Blattes erzeugt Auftrieb zu Fliegen und die innere Region liefert die Kraft zum Drehen des Blattes. Die Region im Bereich der Rotornabe hat keine Wirkung. Im Horizontalflug findet eine Umverteilung der Autorotativen Zone statt, das vorlaufende Blatt erzeugt mehr Auftrieb, das nachlaufende Blatt erzeug mehr Kraft zur Rotation. |
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Autorotation wenn
der Gyrocopter sich senkrecht nach unten bewegt. Die äußere
Region des Blattes erzeugt Auftrieb zum Fliegen und die innere
Region liefert die Kraft zum Drehen des Blattes. Die Region im Bereich der Rotornabe hat keine Wirkung weil dort die relative Windgeschwindigkeit sehr klein ist |
Warum fliegen Tragschrauber (meistens!)
stabil und sicher?
Der Rotor ist ein Kreisel, Kreisel neigen dazu ihre Lage im Raum beizubehalten.
Wirkt auf einen Kreisel eine Kraft, "weicht er der Kraft in der
Drehebene aus", er präzediert. Das voreilende Rotorblatt
erzeugt mehr Auftrieb als das Rückeilende. Wäre es kein
Kreisel, würde die Rotorebene nach lins kippen (in der Rotation
eilt das rechte Blatt voran).
Wegen der Kreiselwirkung wird der Tragschrauber jedoch vorne angehoben.
Diesem Drehmoment um die Querachse wirkt ein mit zunehmendem "aufbäumen"
ein ebenfalls zunehmendes Gegenmoment der Gewichtskraft entgegen (
Flugzeugrumpf + Pilot + Motor + Leitwerk + Kraftstoff hängen
wie ein Pendel an der Rotorscheibe).
Mehr Schub vom Motor bedeutet mehr Geschwindigkeit = mehr Auftrieb.
Weniger (oder kein) Schub vom Motor bedeutet weniger Geschwindigkeit
= weniger Rotordrehzahl = weniger Auftrieb. Reicht die Rotordrehzahl
nicht mehr aus, die Flughöhe zu halten, geht der Tragschrauber
in einen Sinkflug über: Der Anstellwinkel steigt wieder an, der
Rotor wird auf Drehzahl gehalten. Ein Tragschrauber kann also niemals
"überzogen" werden, er kann gar nicht anders, als sich
seine Fahrt zu holen.
Der Gleitwinkel ohne Motorleistung beträgt etwa 1:4 (UL- Flugzeuge
haben bis zu 1:10), die Landerollstrecke beträgt aber nur 0 -
20 m, weil die Vorwärtsgeschwindigkeit dann sehr gering ist
(20 bis 60 km/h typischerweise).
Wann verliert der Tragschrauber seine
Stabilität?
Wenn der Rotor in einen negativen Anstellwinkel gerät, die Summe
aus Luftströmung durch die Drehung um die Rotorachse und Fahrtwind
also so sehr "schräg von oben" kommt, zieht die resultierende
Auftriebskraft (bzw. deren Komponente in Rotorebene) das Blatt nicht
mehr nach vorne, sondern nach hinten:
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hellblau = Widerstandsvektor rot = Auftriebsvektor grün = Resultierende dunkelblau = anströmenden Luft |
Das Blatt wird also durch die Auftriebs- und die Widerstandskraft
abgebremst, bzw. die Auftriebskraft wird sehr klein im Verhältnis
zur Widerstandskraft oder zeigt nach unten, wie im Bild dargestellt.
Das bremst den Rotor stark ab, unterschreitet der Rotor seine kritische
Mindestdrehzahl, kommt er auch nicht wieder auf Touren und der Pilot
freut sich, wenn er ein funktionierendes Gesamtrettungssystem zur
Verfügung hat.
Es gibt noch einen weiteren, unangenehmen Effekt. Im Normalflug schiebt
der Propellerschub "zwischen" Rotorwiderstandsvektor und
dem Widerstand von Pilot + Rumpf + Fahrgestell. Wird der Anstellwinkel
kleiner, sinkt zunächst auch der Widerstand des Rotors und geht
auch gegen Null. Bei vollem Schub dreht der Tragschrauber also um
das Zentrum seiner Widerstandskräfte: Der Tragschrauber kippt
vorne über. Was schlagartig zu einem (sehr) negativen Anstellwinkel
der Rotorblätter und zu den oben erläuterten, hässlichen
Effekten führt.
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Sind Tragschrauber sichere Fluggeräte?
Tragschrauber sind sichere Fluggeräte (mängelfreie Konstruktion
und ordentliche Instandhaltung vorausgesetzt). Sie müssen nur
immer mit gut positiver "Flächen-" / Rotorscheibenbelastung
geflogen werden. So wie es bei Flächenflugzeugen tödlich
ist, in geringer Höhe zu überziehen, ist es bei Tragschraubern
tödlich, den Knüppel zu hart nach vorne zu nehmen, insbesondere
bei Vollgas.
Bei schlechten Konstruktionen ist der kritische Punkt schnell erreicht,
bzw. noch durch zu starkes Ziehen und Nachdrücken, durch verzögerte
und zu starke Reaktionen auf Bewegungen um die Querachse, gefördert.
Der richtige Umgang mit diesem Gerät muss deshalb trainiert werden.
Warum Tragschrauber so selten sind
Tragschrauber haben gegenüber dem Flächenflugzeug folgende
Vorteile:
Tragschrauber haben gegenüber dem Hubschrauber den Vorteil, dass
sie nur etwa 10% der Anschaffungs- und 10% der Betriebskosten erreichen.
Nachteil: Sie können nicht Hovern (im Stillstand fliegen), seitwärts
und rückwärts fliegen und auch nicht senkrecht Starten und
Landen (von Sonderkonstruktionen abgesehen). Eine Bergung von Personen
oder Lasten ist unmöglich.
Dieser Beitrag basiert nicht auf eigenem Wissen, ich habe aus dem Internet verschiedene Beiträge zusammengemischt, das meiste stammt von Herrn Jens-Achim Frei. http://www.jafrei.de/flgyro.htm
Weitere Links: | http://mlbf01.fbm.hs-bremen.de/foerg/tragschr/tragschr.html http://members.aol.com/ARROW%20UK/index.html |
Mangels Kenntnis ist es mir nicht möglich zu beschreiben wie ein Tragschrauber geflogen wird, wer es weiß möge doch nachfolgende Fragen beantworten.
Wie wirken die Ruder
- Seitenruder links / rechts - und was bewegt sich – gilt einleiten,
neutral, ausleiten
- Steuerknüppel ziehen - und was bewegt sich – gilt einleiten,
neutral, ausleiten
- Steuerknüppel drücken - und was bewegt sich – gilt
einleiten, neutral, ausleiten
- Steuerknüppel links / rechts - und was bewegt sich –
gilt einleiten, neutral, ausleiten
Wie ist die Seiten - / Rücken - Wind- Empfindlichkeit beim
- Rollen
- Start
- Landung
Start
- normaler Start: Vorrotation min. Rotordrehzahl, Vollgas, –
Knüppelstellung
- was geschieht, wenn man den Tragschrauber vor erreichen des nötigen
Auftriebes plötzlich hochreißt, Hüpfer – durchsacken,
harter Aufschlag, - hohe Rechnung
Steigflug
- bleibt der Knüppel während der gesamten Steigfluges gezogen
oder gilt einleiten, neutral, ausleiten.
- normaler Steigflug, Geschwindigkeit des besten Steigens
- was geschieht wenn man den Knüppel bis zum Anschlag durchzieht
Reiseflug
- wie groß ist das Geschwindigkeitsband und die Leistungsbandbreite
zwischen Vne und der Geschwindigkeit bei der eben noch die Höhe
gehalten werden kann.
Flugmanöver
- wie leitet man einen Kurvenflug ein, mit Seiten und Querruder einleiten
– Ruder neutral und nach Beendigung der Kurve wieder ausleiten?
– oder ?
- Steilkurve bei Vollgas: wie viel Schräglage wie vielfach g,
wie groß ist der geflogene Radius
- Steilkurve im Leerlauf: wie viel Schräglage wie vielfach g,
wie groß ist der geflogene Radius
- ist eine Rolle möglich? Was geschieht?
- was geschieht: Steuerknüppel voll gezogen
a) Vollgas
b) Leerlauf
- ist ein Looping möglich, was geschieht
- ist ein Sturzflug mit Vollgas möglich, was geschieht
- ist ein Sturzflug im Leerlauf möglich, was geschieht
Landung
- normale Landung: Geschwindigkeit, Landeweg / Rollweg,
- kreisende Landung wie ein Fallschirmspringer, Radius des Kreises,
Landeweg, Rollweg
Verhalten in besonderen Fällen
- Motorausfall
- negativer Anstellwinkel des Rotors
- überkippen nach vorne
Was muss auf jeden Fall vermieden werden
- Vollgas bei negativem Anstellwinkel
- überkippen nach vorne
W. Schmidt
fliegerschmidt@t-online.de