Zweitakter oder Viertakter von Walter Schmidt
Viertaktmotore einfachster
Bauart haben mindestens 10 bewegliche Teile pro Zylinder, Kurbelwelle,
Pleuel, Kolben, Nockenwelle, 2 Stößel, 2 Kipphebel, und
2 Ventile. Der Viertakter benötigt für einen Arbeitsgang
zwei Umdrehungen, beim Ladungswechsel wird das Zylindervolumen zu
ca. 95% gefüllt. Gesteuert wird der Viertakter durch Ein- und
Auslassventile und der Zündzeitpunktverstellung. Das Gemisch
wird durch Vergaser oder Saugrohreinspritzung aufbereitet und im nächsten
Arbeitsgang verarbeitet. Bei luftgekühlten Viertaktern wird durch
Überschneidung der Ventile, das Auslassventil mit Gemisch gekühlt
(höherer Brennstoffverbrauch). Ein moderner Viertakter kostet
je nach Ausführung etwa 100 –150 € pro PS Zweitaktmotore haben
pro Zylinder nur drei bewegliche Teile, Kurbelwelle, Pleuel und Kolben
Der Zweitakter benötigt für einen Arbeitsgang eine Umdrehung,
der Ladungswechsel erfolgt durch eine lange Überschneidung der
Auslass- und Überströmschlitze ( 139° ). Nach dem Öffnen
der Überströmschlitze strömt das Frischgas dem abströmenden
Abgas hinterher und füllt den Zylinder, kurz vor 270° werden
die Auslassschlitze geschlossen, (etwa 50% Zylindervolumen) und die
Verdichtung beginnt. Deswegen hat der Zweitakter bei gleichem Zylindervolumen
gleicher Drehzahl und doppelt soviel Arbeitstakten etwa die gleiche
Leistung wie der Viertakter. Gesteuert wird der Zweitakter durch die
Kolbenkante bzw. Drehschieber oder Membranen und der Zündzeitpunkt-verstellung.
Einen wesentlichen Anteil an der Motorsteuerung hat die Auspuffanlage.
Die optimale Länge der Auspuffanlage ist nur auf einen kleinen
Drehzahlbereich abgestimmt. Wenn die Resonanzwelle zu früh zurückkommt,
wird Gemisch in den Kurbeltrieb zurückgeschoben – der Motor
ist zu mager, - hohe Abgastemperatur. Kommt die Resonanzwelle zu spät
zurück, verbleibt viel Gemisch im Auspuff, - die Abgastemperatur
ist niedrig, dafür ist aber der Brennstoffverbrauch sehr hoch.
Das Gemisch wird im Vergaser oder durch eine Saugrohreinspritzung
aufbereitet. Das eben aufbereitete Gemisch schmiert und kühlt
den Motor und gelangt erst nach zwei bis drei weiteren Umdrehungen
in den Verbrennungsraum. Der Vergaser ist ein guter Kompromiss das
Gemisch bedarfsgerecht aufzubereiten, die Saugrohreinspritzung dagegen
ist eine perfekte Dosierpumpe, das Gemisch wird je nach Vorgabe der
elektronischen Steuerung magerer/ fetter für die aktuelle Drehzahl
aufbereitet. Die Direkteinspritzung spritzt das von der elektronischen
Steuerung angeforderte Gemisch direkt in den Verbrennungsraum, ohne
den Auspuff zu kühlen. Durch die geringere Anzahl der beweg-lichen
Teile ist der Zweitakter bei etwa gleicher Leistung gleichem Hubraum
und gleicher Drehzahl leichter und billiger. Ein moderner Zweitakter
kostet je nach Ausstattung etwa 50 – 75 € pro PS. Im nachfolgenden Beitrag sollen zwei
Zweitakter und ein Viertakter miteinander verglichen werden, die Motore
sind jeweils in einer Kitfox der beschränkten Sonderklasse eingebaut. Der Rotax 912 ist ein
Viertakter, 4 Zylinder Boxer, wassergekühlt und Ventilgesteuert.
Im Betrieb sind umfangreiche Inspektions- und Wartungsarbeiten erforderlich,
die Liste der LTA`s ist recht lang. Der Rotax 582 ist ein
Zweitakter, 2 Zylinder Reihenmotor, wassergekühlt, Drehschieber
–gesteuert und hat einen Prallwandschalldämpfer, die Wartungsarbeiten
sind recht simpel. Der Motor ist robust und zuverlässig, es gibt
keine Kühlprobleme. Der Prallwand –Schalldämpfer ist
auf die max. Leistung abgestimmt. Der Drehschieber verhindert die
Rückförderung des überschüssigen Gemisches bei
Teillast, -dadurch bessere Kühlung aber höherer Brennstoffverbrauch.
Gut gepflegte und regelmäßig gewartete Motoren sind nach
Erreichen der TBO in einem sehr guten Zustand. Die TBO von 300 Stunden
ist zu gering und sollte von Rotax mindestens verdoppelt werden.
Mein F30 von Göbler
- Hirth ein Zweitakter, 4 Zylinder Boxer, luftgekühlt, Kolbenkanten
–gesteuert und wurde von mir mit einem Resonanzschalldämpfer
ausgerüstet, die Wartungsarbeiten sind recht simpel. Der Motor
ist sehr sensibel, Kühlluftkanäle für Zu- und Abluft
sind unbedingt erforderlich. Die Zylinderköpfe sind einzeln 45°
schräg anzublasen, die Laufbuchsen am besten von unten nach oben
anblasen. Bei gut abgestimmter Resonanzlänge wird im Teillastbereich
überschüssiges Gemisch in den Kurbelraum zurückbefördert,
– dadurch geringer Brennstoffverbrauch aber schlechtere Kühlung.
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Beim Vergleich darf der Ölverbrauch nicht vergessen werden, beim Viertakter muss alle 25 Stunden das Öl ( etwa 4 Liter ) gewechselt werden. Beim Zweitakter wird bei einem Gemisch von 1 : 50 in 25 Stunden 25 x 15 : 50 = 7,5 Liter zugesetzt. Der Zweitakter hat also einen doppelt so hohen Ölverbrauch wie der Viertakter. Will man bei geringsten Anschaffungskosten relativ wenig
fliegen, ist der Rotax 582 eine gute Wahl. Wer viel
Startleistung wünscht (1.000 ft /min Steigen einsitzig)
und das ganze Geschwindigkeits-Spektrum nutzen möchte, vom Bummelflug
bis zum flotten Reiseflug, ist mit dem F30 sehr gut bedient. Die Differenz
der Anschaffungskosten zwischen dem F30 und dem 582 ist durch den geringeren
Brennstoffverbrauch des F30 nach 400 Stunden eingeflogen. Die Kostendifferenz
zwischen Rotax 912 und 582 ist nach 1.200 Stunden eingeflogen. Wer im
oberen Leistungsbereich fliegen will oder viel bei Vollgas
(Flugzeugschlepp) sollte sich für den Rotax 912
entscheiden. Achtung: Die Auspuffanlage des Zweitakters ist ein wichtiges Steuerelement, wer die Auspuffanlage verändert sollte unbedingt die Meinung des Motorenherstellers einholen, - sonst handelt er sich mehr Nachteile als Vorteile ein. Bei Luftkühlung unbedingt die Kühlempfehlung des Herstellers beachten, eigene Wege „Jugend forscht“ werden meistens durch Kolbenfresser beendet. Wer sich für den billigeren Zweitakter entscheidet sollte sich für das ersparte Geld einen Brennstoff-verbrauchsmesser kaufen, denn es gibt Geschwindigkeitsbereiche die man meiden sollte.
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W. Schmidt |